Bundeskartellamt verbietet Facebook Zusammenlegung von Nutzerdaten© Facebook

Bundeskartellamt verbietet Facebook Zusammenlegung von Nutzerdaten

von Kamal Nicholas
aktualisiert am 08. Februar 2019

Nach einer Entscheidung des Bundeskartellamtes können Facebook-Nutzer der Datensammlung außerhalb von Facebooks Webseite und App in Zukunft widersprechen, ohne vom sozialen Netzwerk ausgeschlossen zu werden. Das Verfahren wurde durch die Zusammenlegung der Messenger von Facebook, WhatsApp und Instagram angestoßen.

Ende Januar hatte Facebook angekündigt, die Messaging Plattformen von WhatsApp, Instagram und dem Messenger zusammenlegen zu wollen. In Deutschland wird diesem Vorhaben nun allerdings ein großer Stein in den Weg gelegt: Das Bundeskartellamt hat Facebook noch deutlich weiter reichende Beschränkungen bei der Verarbeitung seiner Nutzerdaten auferlegt.

Ein Blick in die Geschäftsbedingung von Facebook zeigt, dass das Unternehmen gesammelte Daten seiner Nutzer auch aus Drittquellen - also über die Facebook-Seite und -App hinaus - sammeln und dem Konto eines Nutzers zuordnen darf. Drittquellen sind in diesem Fall u.a. die konzerneigenen Dienste WhatsApp und Instagram, aber auch Drittseiten, die den Share- oder Like-Button nutzen.

Für Facebook wäre die Zusammenlegung der Messenger eine zusätzliche, umfangreiche Möglichkeit, noch detailliertere Daten seiner Nutzer zusammen zu fassen und so wesentlich schärfere Profile für zielgerichtetere Werbung zu verwenden.

"Facebook missbraucht seine Marktmacht"

Natürlich ist dieses Vorhaben seitens Facebook auf große Kritik gestoßen, vor allem in Bezug auf die Datensicherheit und Privatsphäre der Nutzer. In Deutschland hat sich deshalb nun auch das Bundeskartellamt eingeschaltet. Laut diesem habe Facebook seine Kontrolle über den Markt missbraucht, um Nutzerdaten verschiedener Quellen miteinander zu kombinieren.

In der Pressemitteilung erklärt das Bundeskartellamt, dass Facebook seine Nutzer zur Einwilligung ermutigt hätte, Daten auch außerhalb von Facebook sammeln und deren Profil zuordnen zu dürfen. Durch dieses Vorgehen missbrauche Facebook seine „Marktmacht durch Umfang der Sammlung, Verwertung und Zuführung der Daten auf dem Nutzerkonto“.Besonders gravierend sei dies deshalb, weil Facebook auf dem Markt für soziale Medien marktbeherrschend sei. Alleine in Deutschland nutzen 23 Millionen tägliche und 32 Millionen monatliche Nutzer die soziale Plattform, somit habe der Konzern bei den täglichen Nutzern hierzulande einen Marktanteil von 95%, bei den monatlichen Nutzern einen Anteil von 80%.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts teilt deshalb mit: „Facebook darf seine Nutzer künftig nicht mehr zwingen, einer faktisch grenzenlosen Sammlung und Zuordnung von Nicht-Facebook-Daten zu ihrem Nutzerkonto zuzustimmen. [...] Der Verbraucher kann in Zukunft verhindern, dass Facebook seine Daten ohne Beschränkung sammelt und verwertet.“ [...] Wenn der Nutzer die Einwilligung nicht erteilt, darf Facebook ihn nicht von seinen Diensten ausschließen und muss auf eine Datensammlung und -zusammenführung aus den verschiedenen Quellen verzichten.“

"Wir sind im direkten Wettbewerb mit Youtube, Snapchat, Twitter und anderen"

Facebook ist hier natürlich etwas anderer Meinung, wie in einem offiziellen Statement erklärt wurde. Das Unternehmen sieht auch in Deutschland eine sehr hohe Konkurrenz durch andere soziale Medien. Nur weil das Unternehmen am beliebtesten sei, sei es noch lange nicht dominierend („popularity is not dominance“). Das Unternehmen wolle natürlich auch weiterhin die Daten nur nutzen, um die Erfahrung der Nutzer zu verbessern etc. Zusätzlich habe das Unternehmen vor, auch die Privatsphäre der Nutzer in Zukunft noch zu verbessern.

Doch auch wenn die Meinungen hier deutlich auseinander gehen, ist das Vorhaben von Facebook noch lange nicht besiegelt. Das Unternehmen hat nun einen Monat Zeit, Berufung gegen die Entscheidung des Bundeskartellamts einzulegen. Seit März arbeite Facebook mit dem Bundeskartellamt in der Sache zusammen. Laut Berichten ist für dieses Jahr zudem ein ein Tool geplant, was Nutzern die Löschung des Browserverlaufs bei Facebook ermöglichen soll.

Quellen: thenextweb, Bundeskartellamt, Facebook