Microsoft: Surface Laptop hui, Windows 10 S pfui?© Microsoft

Kommentar
Microsoft: Surface Laptop hui, Windows 10 S pfui?

Stefan Trunzik, vom

Die Vorstellung des Microsoft Surface Laptop bringt den Hype-Zug wieder in Fahrt. Windows 10 S allerdings dämpft die Erwartungen. Während in den USA der Education-Bereich gefeiert wird, ist die Stimmung in Deutschland zwiegespalten. Kritisch beleuchten wir, ob das neue Notebook und das abgespeckte Betriebssystem für dich das Richtige sind.

Gestern Nachmittag blickten alle Technik-Fans in Richtung New York. Präsentationen von Microsoft sind seit Jahren ebenso interessant wie die Keynotes von Apple oder Neuvorstellungen von Google. Erwartet wurde ein günstiges Notebook mit einem auf Windows Apps limitierten Betriebssystem. Fast richtig. Doch anstelle der preiswerten Hardware treffen wir auf den Surface Laptop, ein neues High-End-Modell mit 13,5 Zoll Display und dem neuen Windows 10 S Betriebssystem. Preispunkt in Deutschland ab 1.149 Euro. Bevor wir uns dem mysteriösen „S“ widmen, werfen wir ein Blick auf die Technik des neuen Notebooks.

Für Office- und Multimedia-Sessions gut geeignet

Schnelle SSDs mit bis zu 512 GB Kapazität, aktuelle Intel Core i5 und Core i7 Prozessoren und maximal 16 GB Arbeitsspeicher zeigen sich auf dem Datenblatt des Microsoft Surface Laptops. Die Display-Auflösung ist mit 2256 x 1504 Pixel (3:2 Format) ebenfalls zeitgemäß und die leicht beschnittenen Anschlüsse in Form von USB 3.0, Mini-DisplayPort und Audio-Klinken lassen sich mit der schlanken Bauhöhe von 14,5 Millimeter erklären. Dennoch müssen wir auch kritisch auf die Ausstattung blicken, bei der einige Fragen aufkommen.

Microsoft Surface Laptop© Microsoft

Im Jahr 2017 eine niedrigauflösende 720p Webcam zu verbauen und nur Bluetooth 4.0 anzubieten ist meiner Meinung nach bei einem Notebook, das bis zu 2.499 Euro kosten kann, einfach zu wenig Fortschritt. Einschnitte wie diese werden zum Beispiel bei Apple MacBooks stark kritisiert, bei Windows-Notebooks jedoch schnell als „die sind aber auch nicht so teuer“ abgestempelt. Ein USB-C 3.1 Anschluss mit Thunderbolt 3 hätte dem Surface Laptop sicher auch gut gestanden und könnte den proprietären Surface Connect Port wohl bestens ersetzen. Doch dann würde sich das knapp 230 Euro teure Surface Dock zur Anschlusserweiterung wohl deutlich schlechter verkaufen.

Brauchen wir mehr Premium für's Geld?

Natürlich wird sich Otto Normalverbraucher durch diese Mankos nicht einschränken lassen und sicherlich meckern wir an dieser Stelle auf recht hohem Niveau. Aber das sollte man auch, wenn ein Hersteller seine Premium-Modelle mit den Worten „atemberaubend“, „luxuriös“ und mit „perfekter Balance“ ankündigt. Immerhin hat mich der Microsoft Surface Laptop optisch auf seiner Seite. Schlicht, kompakt und dann noch mit einer Innenseite aus Alcantara. Das ist wie als würde ich den Dachhimmel eines neuen BMW 7er beim täglichen Arbeiten streicheln. Das heißt bis die ersten Kaffee-Tropfen darauf landen und ich wohl die Handballenauflage öfter reinigen muss als das Display meines Smartphones.

Microsoft Surface Laptop Tastatur© Microsoft

Eigentlich möchte ich den Surface Laptop mögen, Microsoft macht es mir aber nicht leicht. Ich bin gespannt auf welche Seite ich mich schlage, wenn ich das Notebook in die Finger bekomme. Allerdings treten die Geräte erst ab dem 15. Juni in Deutschland auf. Und wenn du einen Intel Core i7 bevorzugst, darfst du sogar bis 15. August warten. Zudem musst du mit der grauen Farbvariante vorliebnehmen. Rot, Blau und Gold gibt es vorerst nur bei unseren Freunden aus den USA. Die zusätzliche Diskussion, warum in einem normalen Notebook ein Touchscreen verbaut wird, spare ich mir an dieser Stelle. Ich persönlich halte es in einem 2-in-1 Convertible für sinnvoll, im klassischen Clamshell-Design für ein unnötiges Feature. An dieser Stelle hätte ich mir ein mattes Display gewünscht, wenn auch nur als Option.

Ein neuer Buchstabe für weniger Funktions-Umfang

Über alle diese Punkte könnte ich vielleicht sogar hinwegsehen, wenn mir die neue Betriebssystem-Version Windows 10 S nicht so quer im Magen liegen würde. Für den amerikanischen Markt eventuell eine Alternative für den Bildungssektor, in dem auch Chromebooks mit Google Chrome OS recht erfolgreich sind. Das Betriebssystem in Deutschland aber als „optimiert für Sicherheit“ zu vermarkten, das klingt falsch und wird einige Käufer des Surface Laptop verwirren. Auf der Microsoft Webseite wird es im Vergleich sogar zwischen Windows 10 Home und Windows 10 Pro gelistet. Als wäre es umfangreicher und besser als die Basis-Version. Quasi das iPhone 7s unter den Windows-Betriebssystemen?

Microsoft Windows 10 S Betriebssystem© Microsoft

Weit gefehlt. Es ist genau das, was vorher von Insidern und Experten erwartet wurde. Ein normales Windows. Allerdings mit der Beschränkung, dass du nur Programme aus dem Microsoft Store benutzen darfst. Apps, die nicht immer den vollen Umfang einer herkömmlichen Desktop-Software bieten. Hier hätte Microsoft aus den Fehlern mit Windows RT lernen sollen. Wenn sich in diesem Bereich nicht blitzartig alle Entwickler entscheiden ihre Programme über den Windows Store zur Verfügung zu stellen, wird Windows 10 S direkt zum Start floppen. Kein Chrome, nur der Edge Browser und die integrierte Bing-Suche. Ich muss die Google Suchmaschine also manuell ansurfen und Links aus anderen Apps starten automatisch Microsoft Edge? Ich hoffe Microsoft legt hier noch einmal Hand an.

In erster Linie soll Windows 10 S wohl das Sicherheitsschloss für Schüler darstellen, deren Eltern verhindern wollen, dass ablenkende Drittanbieter-Programme installiert werden oder die Kids eventuell die falschen Webseiten ansurfen. Am besten du stößt das Windows 10 Pro Upgrade direkt nach dem Einrichten des Notebooks an, bevor es mit 50 Euro zu Buche schlägt. Denn bis zum Ende des Jahres ist die Hochstufung kostenlos. Ein Downgrade auf Windows 10 S ist dann allerdings nicht mehr möglich.

Youtube-Video: Microsoft: Surface Laptop hui, Windows 10 S pfui?

Fassen wir alles einmal kurz zusammen: Der neue Surface Laptop sieht schick aus, ist mobil, bringt eine gute Leistung mit und soll laut Microsoft bis zu 14,5 Stunden Akkulaufzeit bieten. Von der technischen Ausstattung hätte ich mir etwas mehr erwartet, aber vielleicht überzeugt mich das 13,5 Zoll Notebook ja noch in der Praxis. Ein Dorn im Auge ist der Preis. Hier ist man auf dem gleichen Niveau angekommen wie das MacBook Pro 13 ohne Touch Bar. Nutzer stehen also vor der Entscheidung Apple oder Microsoft. In den meisten Fällen gewinnen hier die Jungs aus Cupertino die Hardware-Entscheidung. Die Marke ist bei jungen Nutzern einfach mehr im Trend. Am besten du wartest die ersten Surface Laptop Tests ab und entscheidest dann erst. Windows 10 S hingegen kannst du direkt in den Papierkorb verschieben und dir Windows 10 Pro zulegen, solange das Upgrade noch gratis ist.

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