Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones© Samsung

Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones

von Jonathan Kemper
aktualisiert am 21. Dezember 2018

Das Rennen um das erste faltbare Smartphone haben nicht nur die großen Firmen wie Samsung oder Huawei eröffnet – sondern auch eine unbekannte Firma aus China. Scheitern werden vermutlich erst einmal alle. Warum wir glauben, dass das Konzept noch nicht reif ist, liest du im Kommentar.

Samsung zeigt einen faltbaren Prototypen für das Galaxy F im Halbdunkel. Huaweis CEO Richard Yu kündigte ein faltbares Smartphone für 2019 an. Jeden Tag liest man eine neue News zu diesem Smartphone-Trend. Wir raten Early Adoptern zu Vorsicht: Kauft nicht den unausgegorenen Elektroschrott. Warum wir erst in der dritten oder vierten Generation ein brauchbares Produkt erwarten, klärt ein geschichtlicher Abriss am besten.

Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones (Bild 2)© Mopolis
Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones (Bild 2) (Bild 3)
Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones (Bild 2) (Bild 3) (Bild 4)© Mopolis

Bei derart optimierten Smartphones haben es alternative Formfaktoren schwer

Mobiltelefone mussten immer kleiner werden, um so portabel wie möglich zu werden. Smartphones hingegen wurden in ihrer Entwicklung immer größer, vor allem das Display wuchs auf einen Standard von inzwischen über 6 Zoll. Aktuelle Flaggschiffe wie das iPhone Xs Max (6,5 Zoll), das Pixel 3 XL (6,3 Zoll), das Samsung Galaxy S9+ (6,2 Zoll) oder das Huawei Mate 20 Pro (6,4 Zoll) glänzen mit Screen-to-Body-Ratios von bis zu 88 Prozent.

In den Abmessungen haben wir vermutlich die Grenze erreicht - Mehr lässt sich schwer greifen und die nächsten Optimierungen sind wohl bei der Benutzerfreundlichkeit der Software zu finden.

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Das perfekte Smartphone von heute

Um das aktuelle Erscheinungsbild eines “Huawei Galaxy Xs Max” zu erreichen, haben Smartphone-Hersteller verschiedene Methoden kombiniert und inzwischen fast perfektioniert. Die Ränder an den Seiten schrumpften, bis sie bei Edge-Displays heutzutage kaum noch existieren. Haptische Homebuttons sind schon länger out, der Fingerabdrucksensor ist unter den Bildschirm oder auf die Rückseite gewandert oder ist komplett gestrichen worden.

Dann brach das Zeitalter der Notch an, die beinahe jedes moderne Flaggschiff dominiert. Irgendwo braucht es noch ein bisschen Platz für eine Selfiekamera, doch auch hier gibt es schon Ideen. Xiaomi zum Beispiel hat das Mi Mix 3 in zwei Hälften geteilt, wobei sich die hintere nach oben schieben lässt und so die Frontkamera freigibt.

Samsung & Huawei: Die unreifen Versuche mit den faltbaren Smartphones (Bild 8)© Mopolis
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Es gibt viele Ideen, wenig sinnvolle Gründe

Während sich dieser Formfaktor nun zu einem generellen Referenzmodell entwickelt hat, sind die Hersteller fieberhaft auf der Suche nach dem nächsten Trend. Wie bekommt man noch mehr Display auf weniger Platz? Klar, man baut noch ein zweites auf die Rückseite – oder faltet das Smartphone auseinander.

Anstatt Smartphones als mobile Alleskönner zu verstehen, die das klassische Tablet weitestgehend ersetzt haben, halten die Foldable-Fans an der Produktkategorie fest. Doch Aufgaben wie noch im Bett gemütlich eine Serie zu schauen, noch schnell eine Powerpoint-Datei vor der Präsentation bearbeiten - all das ist mit einem aktuellen Smartphone bestens abgedeckt.

Wer mehr Computing-Power benötigt, greift zur nächsthöheren Stufe. Die 2-in-1-Convertibles sind ernsthafte Konkurrenten zu den üblichen Notebooks geworden und verpacken auf engstem Raum kraftvolle Hardware und hochauflösende Touch-Displays. Diese Geräte kauft man als ultraportablen Laptop, nicht als produktiveres Tablet.

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Seit Google mit Android 3.0 Honeycomb eine für Tablets spezialisierte Major Version veröffentlicht hat, hat sich der Software-Riese nicht mehr großartig um die Geräte gekümmert. Das Abflauen des Hypes war abzusehen, der Marktanteil von Android-Tablets wird immer kleiner. Lediglich für das iPad können wir dank iOS eine solide Kaufempfehlung aussprechen. Apple entwickelt die iPads in Richtung Computer, möchte also die mobile Produktivität steigern. Zuhause haben Tablets angesichts der Konkurrenz aus Smart TV, Desktop-PC, Laptops, Spielekonsolen und Smartphones einen schweren Stand.

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Ein Smartphone, was auch ein Tablet sein will,
macht wahrscheinlich beides schlecht

Gibt es denn Bedarf für mehr Display im Smartphone? Ja, größer ist meist besser für die Lesbarkeit der Inhalte und Entertainment. Die ersten Ansätze, die wir bei den Herstellern sehen, zwingen jedoch zu starken Kompromissen und sind weit weg davon, es mit den Spitzen-Smartphones aufzunehmen:

Klappt mit zwei Bildschirmen: ZTE Axon M

Nicht wirklich falt-, sondern klappbar war der Ansatz des chinesischen Konzerns ZTE. Das ZTE Axon M hat nämlich einfach zwei Displays, die wie ein Buch aufgefaltet werden können. Zwar hat es das Axon M tatsächlich auf den Markt geschafft und war mit rund 900 Euro sogar noch bezahlbar, doch waren die beiden Screens noch durch ein Gelenk getrennt.

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Der Pionier: Royole FlexPai

Aus dem Nichts kam dann Royole mit dem FlexPai. Das Display ist flexibel und lässt sich wie zu erwarten aus einem kleinen Bildschirm in ein großes Biegen. Fertig für den Markt ist das aber noch längst nicht, der ganze Prozess ist umständlich und zeigt sich in ersten Tests unpraktisch. Ein Entwicklermodell ist im offiziellen Shop für knapp 1.400 Euro verfügbar. Wir sagen: Finger weg davon.

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Samsung Galaxy F: Um die Ecke gedacht

Nach Jahren der Leaks um ein faltbares Smartphone oder Tablet von Samsung, das in der Zwischenzeit unter anderem auf den mysteriösen Namen Galaxy X getauft wurde, war es dann endlich auf der Samsung Developers Conference 2018 so weit.

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Samsung zeigt im schummrigen Licht den ersten Prototypen eines faltbaren Devices, die schlechte Beleuchtung soll die unmöglichen Bildschirmränder kaschieren. Statt einem einzigen Bildschirm hat das Galaxy F genannte Gerät derer zwei, eins auf der vorderen Außenseite und ein großes auf der Innenseite. Als Betriebssystem ist Android vorinstalliert sein, samt Samsungs neuer UI “One”, die ein konsequentes Erlebnis auf allen Displaygrößen verspricht.

MWC 2019: Huawei will 5G-Falt-Phone vorstellen

Auch Huawei will im Aufwind des Mate-20-Erfolgs jetzt auf den Zug aufspringen und kündigt ein faltbares 5G-Phone für den MWC 2019 an. Das OLED-Display, ohne das der Knick gar nicht möglich wäre, misst maximal 8 Zoll in der Diagonalen und kann auf 5 Zoll verkleinert werden. Das wäre größer als Samsung mit 7,3 bzw. 4,6 Zoll. Ob es auch wirklich erscheint, ist noch nicht sicher.

Warten auf den nächsten Trend

Nach dieser kleinen Zeitreise wird wohl offensichtlich, dass nächstes Jahr noch längst kein faltbares Flaggschiff mit dem jetzigen Smartphone-Konzept mithalten kann. Und selbst im Jahr danach wird es wohl nichts. Hardware ist nur so gut wie ihre Software und schon jetzt haben Entwickler Probleme, ihre Apps und Oberflächen optimal auf alle Größen, Notch-Varianten und Seitenverhältnisse anzupassen.

Dass wir in der jungen Geschichte des Smartphones noch längst nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind, ist uns bewusst. Zwar bezweifeln wir, dass die faltbaren Mobiltelefone bald unseren Markt revolutionieren, doch freuen wir uns auf jedes Experiment der Hersteller.

Quellen: GSMArena, The Verge

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